Über Umwege aufs Rad.
Schon 1988 habe ich mit dem Dreirad die Natur entdeckt. Über Ballett, Judo, Schwimmen und Motorradfahren kam ich zum Radsport – und als mich 1998 mein Heimatverein RSC Schönaich bei den Spielferien entdeckte, ging es schnell bergauf. Rückschläge haben mich dabei nie gestoppt, sondern stärker gemacht.
Im Rad einen Halt gefunden.
Im November 2000 verlor ich einen Vereinskollegen – eine unerträgliche Stille lag über allem. Im Fahrradfahren fand ich einen Weg, die Trauer zu verarbeiten. Schon 2001 wurde ich Zweite der Deutschen Meisterschaft auf der Straße und Deutsche Crossmeisterin.
Meisterbrief statt Abitur.
Mein Gymnasium tolerierte die Fehlzeiten nicht, ein Internat war für meine Eltern keine Option. Also brach ich die Schule ab und lernte Kälteanlagenbauerin – in der Hoffnung, dass es dem Sport hilft. Nach der Junioren-WM 2003 hörte ich schweren Herzens mit dem Straßenrennsport auf: eine Essstörung und der Druck von außen wurden zu groß. Ich radelte mit Freude weiter – einfach so.
Zurück – und gleich Deutsche Meisterin.
2006 kaufte ich mein erstes eigenes Mountainbike, 2007 überredeten mich Freunde zum ersten Marathon – und ich wurde sofort Deutsche Hobbymeisterin. 2008 wurde ich zum ersten Mal Deutsche Meisterin auf dem MTB, obwohl die damals frisch gekürte Olympiasiegerin Sabine Spitz am Start stand. Das Rennfieber war zurück.
Selbstständig – und mein eigenes Team.
Neben Meisterschule und Job holte ich mir die Lizenz zurück. 2011 nahm ich mir eine Auszeit fürs Techniktraining und machte mich als Gebäudeenergieberaterin selbstständig. Ich spürte, wie sehr das Umfeld über Erfolg entscheidet – und legte 2012 den Grundstein für mein eigenes Team und mein zweites Unternehmen.
Familie und Bestform – gleichzeitig.
2015 und 2017 wurden meine Söhne geboren – mit Marco an meiner Seite als Ehemann, Papa und Mechaniker. Entgegen vieler kritischer Stimmen wurden 2018 und 2019 die besten Jahre meiner Karriere: 2019 stand ich auf dem Worldcup-Podium. Das Ziel hieß jetzt Olympia.
Olympia – trotz allem.
2020 warf Corona alles um und kostete Kraft und Nerven. Aber in allem Neuen steckt eine Chance, und Aufgeben gibt es nicht. Mit einem weiteren Deutschen Meistertitel kämpfte ich mich – trotz fehlender Sponsoren und meinem Beruf – bis nach Tokio: Olympia 2021. Als Familienmutter und selbstständig war das meine vielleicht größte Leistung.
Andere nach vorn bringen.
2021 kam meine Tochter Annabell – die Familie war komplett. 2023 bin ich noch einmal in die Pedale getreten: weitere Deutsche Meistertitel und eine starke EM-Platzierung, mit drei Kindern an der Strecke. Und ich merkte, wie sich mein Ziel verschiebt. Heute will ich fördern – meine Kinder, meine Klienten, meine Unternehmen –, damit möglichst viele Menschen von dem profitieren, was ich als Therapeutin, Expertin und Speakerin gelernt habe.
Mein Machen. Mein Erfolg. Und mein Wunsch, dass du deinen Weg genauso gehst.